Schichtverantwortliche statt Schichtleiter?

Rollenklärung für Schichtverantwortliche

Schichtverantwortliche sollen auf ihre neue Rolle im Unternehmen vorbereitet werden. In einem Workshop werden wir die neue Rolle klären und Wege finden, diese verantwortungsvoll in der Schicht zu leben.

Die Frage ist doch nun zuerst: Warum hat man eigentlich Schichtverantwortliche eingeführt, statt Schichtleiter?
Die Vorgehensweise ist Teil des ‚Lean’-Gedankenguts im Unternehmen. Die Firma hat sich auf die Fahnen geschrieben, sich zu verschlanken, also „lean“ zu werden und hat dies schon seit einigen Jahren im Fokus. Man hat allerdings seit der Einführung bemerkt, dass durch Streichen der Schichtleiterebenen es zu einer sehr großen Führungsspanne gekommen ist. Das heißt, dass die Meister und die Abteilungsleiter im Produktionsbereich gar nicht mehr dazu kommen, ausreichend oft und gezielt über drei Schichten hinweg mit jedem einzelnen Mitarbeiter Gespräche führen zu können.

Bleiben wir mal bei dem Wort „führen“: Sie haben schlichtweg keine Zeit und die Möglichkeit die Mitarbeiter ‚anständig’ zu führen. Wie soll das auch gehen?

Leistung beurteilen für 100 Mitarbeiter?

Wenn beispielsweise die LBU-Gespräche, also Leistungsbeurteilungsgespräche, oder auch die jährlichen Mitarbeitergespräche anstehen, kommt man bei 100 Mitarbeitern schnell mal auf 100 Arbeitsstunden…und dann kommt noch die fachliche Arbeit dazu…Also, wie soll das funktionieren? Und wie wollen sie die Leistung aller Mitarbeiter bewerten, wenn sie die Mitarbeiter nur selten zu Gesicht bekommen?

Wenn ich 100 Mitarbeiter zu führen habe, kann ich das zwar per Organigramm in dem ich bestimme: Einer steht obendrüber und 100 Mitarbeiter unter ihm! Aus der Psychologie wissen wir allerdings, dass das nur theoretisch funktioniert. Es werden sich trotzdem funktionale ‚Unter’-Gruppen entwickeln, sei es technischer Art oder produktspezifisch. Es werden sich Menschen finden, die sich sozusagen berufen fühlen, die wichtigen Dinge zu organisieren, wenn der Chef mal länger nicht da ist oder einfach zeitlich überfordert ist, persönlich ‚nach dem Rechten’ zu sehen.

Also wird er ‚führen’!
Leider versucht man immer wieder zwischen fachlicher und disziplinarischer Führung strikt zu trennen. Fakt ist aber: Dieser eine Mensch wird den Kollegen näher sein als derjenige im Organigramm oben drüber und: Er wird sie führen!

In so einem Grauzustand findet in der betreffenden Firma Führung zurzeit real statt.

Jetzt gibt es Schichtverantwortliche!

Der Zustand ist natürlich nicht befriedigend, da zu wenig Klarheit für die ‚Do’s und Dont’s’ der täglichen Arbeit existiert. Missverständnisse zwischen den Kollegen und Unklarheiten der ‚Führungsrolle’ in der Schicht sind an der Tagesordnung und führt stets zu Konflikten.

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Jetzt wurde entschieden:
Man will keine Schichtleiterebene einführen, aber Schichtverantwortliche. Letzteres ist in etwa vergleichbar mit einem Gruppensprecher aus den Zeiten der Gruppenarbeit, aber eben nur fast. Aber egal wie man es dreht, nennt oder sieht: Trotz „lean“, oder gerade wegen „lean“, ist es nun notwendig geworden, eine innovatives Modell, eine neue Kultur der Führungsaufgabe in der Produktion konsequent anzugehen.

Diese neue Kultur sieht so aus: Der ‚Meister’ wird mehr und mehr mit Mitarbeitern aus seinem Bereich zusammenarbeiten, die sich als verantwortliche Ansprechpartner(Schichtverantwortliche) in den jeweiligen Schichten betrachten werden. Sie werden nicht als ‚Führer von oben’ gesehen, sondern Sie werden befähigt, die Verantwortung für die Schichtleistung zusammen mit Ihren Schichtkollegen auch wirklich zu übernehmen. Die Rolle wird eher die eines Teamleaders sein, also ist diese Organisationsform deutlich näher an einem Produktionsteam als bisher.

Natürlich wäre es optimal, wenn jeder Mitarbeiter, der tagtäglich an der Maschine steht, diese Verantwortung von Haus aus selbst leben würde. Doch wir wissen alle, wie unterschiedlich Menschen sind. Nicht jeder hat soviel Motivation, Mut und Zuversicht um eine aktive unternehmensorientierte Rolle übernehmen zu wollen. Muss er auch nicht. Deshalb gibt es diese Schichtverantwortlichen mit ihrem Team.

Die ’natürliche‘ Führungsaufgabe: Schichtverantwortliche

Jetzt kommen wir aber in einen spannenden Bereich:
Wie können dies Mitarbeiter realisieren, die selbst an der Maschine stehen und keine offizielle Leitungsstelle inne haben, die Führungsverantwortung als Schichtverantwortliche zu übernehmen?

Man kann es ja nennen wie man will, aber diesem Model steckt eine ganz neue Qualität dahinter. Auch in der Betrachtung von Industrie 4.0, also der totalen Vernetzung von Produktionsprozessen, werden Menschen nötig sein, die andere Menschen führen werden: Nicht nur aufgrund ihres Fachwissens oder ihrer Durchsetzungskraft, sondern sie werden gerade wegen ihrer Persönlichkeit, Vertrauen und Respekt von den Kollegen entgegen gebracht bekommen. Sie werden die Verantwortung für Produktivität übernehmen können, ohne im Organigramm ‚über’ den anderen stehen zu müssen. Führung auf Augenhöhe!

Es braucht Menschen, die ihre Kollegen spüren lassen können: Ich bin präsent, ich übernehme die Verantwortung und Du bist wichtig in diesem Prozess!

Schichtverantwortliche: Theorie und Machbarkeit der Rolle

Die Mitarbeiter, die nun den Workshop besuchen, haben sich teilweise selbst für diese Rolle als Schichtverantwortlichen beworben, andere wurden von ihren Führungskräften gefragt und vorgeschlagen. Sie wussten aber zunächst nicht, wie genau diese künftige Rolle aussehen würde.

Es tauchte deshalb schon die Frage nach der zeitlichen Machbarkeit auf:

Wie kann ein Schichtleiter seine 7 bis 10 Kollegen während der Schicht führen, wenn er doch selbst seine Arbeit an der Maschine fertig bekommen muss. Eine andere Frage ist, wie denn die Kommunikation läuft, wenn Verantwortlicher und Mitarbeiter auf Augenhöhe sind. Wie läuft denn dann zum Beispiel eine Leistungsbeurteilung? Kann und darf der das?

Für diese Fragen gibt es keine ‚Schwarz/Weiß-Antworten! Es wird für den einen Schichtverantwortlichen einfacher, für den anderen schwieriger sein, eine Lösung mit seinen Schichtkollegen zu finden…das wird sehr von seiner Persönlichkeit abhängen.

Zum Beispiel ausgehend von der eigenen Frage: Wie sehe ich persönlich meine Rolle? – Als Karriereschub oder als interessante Aufgabenerweiterung?

 

Damit wird schon eine wichtige Weiche für den späteren Erfolg gestellt…ich bin sehr gespannt, was die nächsten Monate zeigen werden…der Anfang ist getan! Respekt!

 

Vielen Dank für das Lesen des Artikels!

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